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Abendwind



Schaut, dort liegt es ganz versteckt,
vom hohen Gras fast zugedeckt,
das Kitz, grad auf die Welt gekommen,
wird es, obwohl noch ganz benommen,
aufgefordert von der Mama:
„Komm und stell dich auf die Beine.“
Es klappt, noch etwas wacklig zwar,
doch schon steht es ganz alleine.
Stolz blickt die Mama umher,
den Kleinen plagt der Hunger sehr,
versucht es erst am falschen Ende,
jedoch nach einer kurzen Wende
hat es die Quelle schnell entdeckt
und hastig von der Milch geschleckt.
Die Mutter lässt ihn ganz in Ruh
Und schaut ihm zärtlich lächelnd zu.
„Du bist ein wunderschönes Kind.
Ich möchte dich nennen Abendwind.
Und was immer auch geschieht,
ich hab Dich unendlich lieb.“


„Komm, mein kleiner Abendwind,
lass uns den Sonnenschein genießen.
Schau, wie schön die Blumen sind,
sie alle wollen dich begrüßen.“
Ein kleiner gelber Schmetterling
flattert lustig hin und her,
doch was macht jetzt das freche Ding,
hat es Respekt vor gar nichts mehr?
Setzt sich keck auf Rehleins Nase.
Das Kitz, es schaut erschrocken drein,
blitzschnell duckt es sich im Grase
und denkt, dass muss ein Untier ein.
Der Schmetterling, er fliegt davon
Über Wiesen, Blumen und Klee.
„Das hast du gut gemacht, mein Sohn“
lobt ihn lächelnd Mutter Reh.
„Jetzt musst du lernen, liebes Kind,
welches unsere Feinde sind.
Vor diesen musst du dich verstecken,
bei anderen brauchst du nicht erschrecken.“


„Abendwind,
komm geschwind,
die Luft ist rein,
ich lad dich zum Spaziergang ein.“
„Au fein, ich freu mich wirklich sehr.“
Das Kitz hüpft aufgeregt umher.
„Ich möchte andere Tiere sehen
Und gern mit ihnen spielen gehen.“
„Das versteh ich nur zu gut,
doch sei immer auf der Hut,
wenn ich dich warne, ducke dich schnell,
du kleiner munterer Gesell.“
Schaut, da hüpft Familie Hase,
Mutter hebt die Schnuppernase,
und schon sahen sie sich umringt
auch vom letzten Hasenkind.
„Wollen wir alle Freunde sein?
Dann bist du nicht so allein.“
Fröhlich tollen sie gemeinsam.
Unser Kitz war nicht mehr einsam.


Unser kleiner Abendwind
Ist, wie jedes andere Kind,
manchmal lebhaft und vergnügt,
manchmal störrisch und betrübt
doch wenn, wie jetzt, die Sonne scheint,
und die Mutter auch noch meint:
„Lass uns zum See hinuntergehen,
dort kannst du dich im Spiegel sehen.“
Da klopft sein Herz erwartungsvoll,
denn die Idee war wirklich toll.
Schon spazieren sie zu zweit
Zum nahen See, es ist nicht weit.
„Oh schau doch, Mama, in dem See
Da steht ja noch ein kleines Reh.
Nein, das bin ja wirklich ich,“
Sagt das Kind und freute sich.
Da schaut ein Fischlein aus dem Nass.
Das Spiegelbild ist nicht mehr klar.
Verblüfft steht unser Kitz im Gras
„Bin ich jetzt plötzlich unsichtbar?“


Abendwind bleibt plötzlich stehen,
war da nicht ein Fuchs zu sehen?
Sein Gesicht ist starr vor Schreck,
und er rührt sich nicht vom Fleck
Da, jetzt raschelt es im Laub.
Das Rehkitz hält den Atem an.
Der Fuchs schon durch die Büsche schaut,
doch da läuft Mutter Reh heran.
Dem Fuchs, dem stellt sie sich entgegen,
und dieser, gar nicht mehr verwegen,
zieht blitzschnell sich zum Bau zurück.
„Mama, das war ein Meisterstück!“

Abendwind ist müd vom Toben,
bleibt erschöpft am Waldrand stehen,
schaut, da ist am Hügel  oben
ein bequemer Stein zu sehen.
Schön läuft es hin und setzt sich nieder.
Doch kaum gesessen, steht es wieder.
Ein Stein, der piekt und sich bewegt
Und auch noch wütend um sich schlägt?
Verdutzt schaut unser Kitz umher,
denn nun versteht es gar nichts mehr.
Ein spitzes Schnäuzchen schaut ihn an:
„Ich bin ein Igel  und kein Stein
Und bitte denke immer dran,
beim Setzen vorsichtig zu sein.“


Abendwind steht auf dem Feld,
um ihn herum, da wogt das Korn.
Ach wie schön wär doch die Welt,
gäb es nicht diesen Lärm da vorn.
Das Kitz, es reckt den Hals empor
Und sieht ein riesenhaftes Tier
Mit ebensolchen Zähnen davor.
Es frisst das Korn mit großer Gier.
Verschreckt legt Abendwind sich nieder
Und denkt, so wird es mich nicht sehen.
Da hört es das Getöse wieder.
Wie soll das kleine Kitz verstehen,
das grad das Hinlegen gefährlich ist.
Doch da hat die Mutter es bereits vermisst.
Sie stürmt herbei und macht ihm klar,
das hier der Bauer, wie in jedem Jahr,
mit seiner Maschine das Korn abmäht.
„Komm, lass uns fliehen, sonst ist es zu spät.“
Hastig laufen sie in den Wald hinein
Und bald sind vergessen Angst und Pein.
Tröstend leckt die Mutter ihr Kind.
„Du musst noch viel lernen, Abendwind.“













 

 
 

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